Die Solarbranche hat vorgerechnet, was Photovoltaik am Strommarkt einspart. Für Biogas gab es diese Rechnung bisher nicht. Hier ist sie: Wie hätte sich der Börsenstrompreis 2025 entwickelt, wenn es keine Biogasanlagen gegeben hätte? Das Ergebnis: Biogas spart je Kilowattstunde mehr als Photovoltaik, weil es dann liefert, wenn Strom knapp ist.
An der Strombörse bestimmt in jeder Stunde das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis für alle. Jede Kilowattstunde aus Biogas verdrängt ein Gaskraftwerk und drückt damit den Preis für den gesamten Stromhandel dieser Stunde. Das nennt man Merit-Order-Effekt.
Das Beratungshaus Enervis hat diesen Effekt im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft für Photovoltaik berechnet: Ohne Solarstrom wäre der Börsenpreis 2024 um 15 Prozent höher gewesen. Für Biogas, das rund 3,5 Milliarden Euro EEG-Förderung im Jahr erhält, hat das niemand gerechnet. Diese Auswertung holt es nach, mit demselben Ansatz und offengelegtem Rechenweg.
Je erzeugter Megawattstunde wirkt Biogas stärker als Photovoltaik, mit weniger als der Hälfte der Strommenge.
| 2025 | Biogas | Photovoltaik |
|---|---|---|
| Stromerzeugung | 31,4 TWh | 73,8 TWh |
| Börsenpreis ohne diesen Träger | +6,44 €/MWh | +14,57 €/MWh |
| das entspricht | +7,2 % | +16,3 % |
| gesparte Beschaffungskosten | 3,1 Mrd. € | 7,1 Mrd. € |
| Ersparnis je erzeugter MWh | 99 € | 97 € |
| Entlastung Haushalt, 4.000 kWh | 27 €/a | 61 €/a |
| Entlastung Betrieb, 10 GWh | 66.800 €/a | 153.400 €/a |
Börsenpreis 2025 im Mittel 89,32 €/MWh bei 465,8 TWh Netzlast. „Biogas“ meint Biogas- und Biomethan-Verstromung zusammen. Im Vorjahr 2024 lag der Biogas-Effekt bei 2,9 Mrd. Euro (+7,6 %).
Um wie viel €/MWh der Börsenpreis im jeweiligen Monat höher gelegen hätte, wenn es den Träger nicht gäbe. Biogas wirkt im Winter am stärksten, Photovoltaik im Sommer.
Nach Knappheit sortiert zeigt sich, was der Jahresdurchschnitt verdeckt.
Alle Stunden des Jahres in zehn gleich große Gruppen sortiert: links Überschuss (viel Wind und Sonne), rechts Knappheit (kalter, windstiller Winterabend).
In den zehn Prozent knappsten Stunden des Jahres hätte der Wegfall von Biogas den Preis um 14,36 €/MWh angehoben, mehr als das Doppelte des Jahresmittels. Photovoltaik kommt in denselben Stunden auf 7,43 €/MWh, weil sie dann kaum liefert.
In den Überschussstunden ist es umgekehrt: Dort erreicht Photovoltaik rechnerisch 46,59 €/MWh. Das klingt viel, fällt aber in Stunden, in denen Strom ohnehin fast nichts kostet. Eine Preisdämpfung in einer Stunde zum Nulltarif ist wenig wert.
Das ist der Kern: Wetterabhängige Erzeugung dämpft den Preis genau dann, wenn sie reichlich da ist und der Preis sowieso niedrig liegt. Steuerbare Erzeugung wie Biogas dämpft dort, wo die Preise hoch sind. Deshalb ist Biogas je Megawattstunde trotz der viel kleineren Menge wertvoller.
Der Biogaspark hat rund 3.500 MW Überbauung, gefahren wird sie kaum: Die Einspeisung 2025 schwankt nur zwischen 2,7 und 4,6 GW. Zwei Ausbaustufen, mit derselben Jahresmenge durchgerechnet.
| Gesamter Park, 2025 | Ist | Stufe 1 | Stufe 2 |
|---|---|---|---|
| Überbauung | 1,4-fach | 3-fach | 8-fach |
| Fahrweise | fast durchgehend | beste 8 h je Tag | beste 3 h je Tag, 60-h-Speicher |
| Preiseffekt in den knappsten 10 % der Stunden | 14,4 €/MWh | 24,7 €/MWh | 30,8 €/MWh |
| Preiseffekt in den Überschussstunden | 5,0 €/MWh | 0,6 €/MWh | 0 €/MWh |
| gesparte Beschaffungskosten | 3,11 Mrd. € | 3,32 Mrd. € | 3,36 Mrd. € |
| Deckung der Förderung 2025 | 94 % | 101 % | 102 % |
| Erlös des Betreibers je MWh (Ist-Preise) | 93 € | 127 € | 158 € |
Stufe 1: Tagesmenge wie heute, aber in den teuersten Stunden des Tages mit dreifacher Leistung. Stufe 2: Gas fällt gleichmäßig an, Gas- und Wärmespeicher für 60 Stunden, Verstromung über das Jahr auf die besten Preisstunden gelegt; ganze Wochenenden können ausfallen.
Für das Stromsystem steigt der Nutzen nur um 7 bis 8 Prozent. Der Grund: Flexibilität verschiebt die Preisdämpfung aus den billigen in die knappen Stunden, und dort ist sie doppelt so wirksam. Aber die Menge bleibt gleich, und in den Überschussstunden geht der Effekt auf null. Erst mit der Verschiebung überschreitet die Deckung der Förderung die 100-Prozent-Marke.
Für den Betreiber ist der Hebel viel größer: Der Erlös je Megawattstunde steigt um 37 Prozent (Stufe 1) und um 70 Prozent (Stufe 2), weil die Anlage den vollen Preisunterschied zwischen billigen und teuren Stunden einstreicht. Der Speicher in Stufe 2 macht den Unterschied zwischen „beste Stunden des Tages“ und „beste Stunden der Woche“.
Die Rechnung ist eine Obergrenze: Wenn der ganze Park so führe, würden sich die Preisunterschiede zwischen den Stunden abflachen. Für die einzelne Anlage, die heute flexibilisiert, gilt sie dagegen fast ungeschmälert.
Förderung laut EEG-Mittelfristprognose der Übertragungsnetzbetreiber. Der Biogas-Anteil an der Biomasse-Förderung wurde aus den EEG-Abrechnungsdaten 2024 und dem Marktstammdatenregister ermittelt: 94,1 Prozent.
3.112 Mio. Euro gesparte Beschaffungskosten gegen 3.297 Mio. Euro Förderung. Wärme, Gärprodukte, gesicherte Leistung und vermiedene Emissionen sind darin noch nicht enthalten.
Gegen die höhere Prognose für 2026 von 3.730 Mio. Euro, die die Anschlussförderung aus dem Biomassepaket enthält. Im Jahr 2024 lag die Deckung bei 75 Prozent.
7.143 Mio. Euro gegen 10.808 Mio. Euro Förderung. Enervis weist für Photovoltaik zusätzlich Exporterlöse aus; die hier gezeigten Werte enthalten für keinen Träger Exporterlöse.
Alle Stunden des Jahres 2025 aus der SMARD-Datenbank der Bundesnetzagentur: Netzlast, Erzeugung je Energieträger, Börsenpreis. Die Residuallast ist die Netzlast abzüglich aller erneuerbaren Einspeisung.
Statt ein Kraftwerkspark-Modell zu bauen, wird aus den Ist-Daten gemessen, um wie viel der Preis steigt, wenn die Residuallast um ein Gigawatt zunimmt. Bei Knappheit steil, im Mittelfeld flach.
Fällt Biogas weg, steigt die Residuallast in jeder Stunde um diese Menge. Der Preisanstieg folgt aus der Kurve, multipliziert mit der Netzlast ergibt das die gesparten Beschaffungskosten.
Dieselbe Rechnung für Photovoltaik im Jahr 2024 liefert roh +34,5 Prozent, Enervis mit dem vollen Marktmodell +15 Prozent, weil dort Importe und Kraftwerke auf den Wegfall reagieren. Alle Zahlen hier sind deshalb mit dem Faktor 0,435 auf das Enervis-Ergebnis geeicht. Kontrolle: Enervis nennt 48 Euro Entlastung je Haushalt, die geeichte Rechnung liefert 51.
Es ist eine Ceteris-paribus-Rechnung: Ohne Biogas stünden heute mehr Gaskraftwerke oder Speicher, der Effekt wäre kleiner. Das gilt für die Enervis-Rechnung genauso. Netzkosten, Redispatch und Speicherbedarf sind nicht gegengerechnet. Die Förderzahlen für 2025 und 2026 sind Prognosen der Übertragungsnetzbetreiber. Die Auswertung beschreibt das Jahr 2025 und ist keine Prognose und keine Rechtsberatung.
Diese Auswertung sagt nicht, dass Biogas billig wäre. Sie sagt, dass die Debatte eine Seite der Bilanz auslässt. Die Anschlussförderung für Bestandsanlagen kostet Geld, und sie bringt eine Preisdämpfung in fast derselben Größenordnung zurück, ausgerechnet in den knappen Winterstunden, in denen der Strompreis am stärksten ausschlägt.
Für Betreiber ist das ein Argument, das in Gesprächen mit Gemeinde, Bank und Abnehmern trägt: Der volkswirtschaftliche Wert einer Biogasanlage lässt sich beziffern, und er liegt je erzeugter Megawattstunde über dem einer Photovoltaikanlage.